Hessenschach 17/06

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  • Special zum Karlsruher Super Turnier

 

Special zum Karlsruher Super Turnier

Eintausend-und-zweihundert-und-drei Teilnehmer gingen am vergangenen Donnerstag im Kongresszentrum von Karlsruhe an die sorgsam vorbereiteten Bretter und legt man die Turnierbedingungen zu Grunde, also 9 Runden, und die Teilnehmer aufgeteilt nach Spielstärke in drei parallel ablaufende Turniere, dann wird man kein größeres, bisher schon veranstaltetes Turnier finden.

Alleine fast 700 Teilnehmer im A- Open bedeuten eine weltweit ziemlich starke Hausnummer, da gibt es nur wenige, die drüber kommen.

Diese hohe Anzahl Teilnehmer im Vergleich zu den nur 9 Runden erzwingt denn auch schon fast eine punktgleiche Spitze, und so kam es denn auch: der russische GM Nikita Vitiugov war einer von vier Spielern, die alle mit 6 Siegen und 3 Remis ins Ziel kamen, und nun auf die Buchholtz- Lotterie warteten, die den einen oder anderen zum Sieger küren würde. Sein Warten wurde belohnt, und hinter ihm reihte sich der ebenfalls russische GM Maxim Matlakov ein, dessen Gegner in Summe einen Punkt weniger erzielt hatten, als die des Turniersiegers. Danach folgen in der Siegesquadriga noch der französische GM Etienne Bacrot, mit gleicher Zweitwertung, der kroatische GM Zdenko Kozul.

Diese Vier kommen aus Vereinen in Hockenheim, Schwäbisch Hall, Baden Baden und Deizisau, sodass jeder einsieht, auf welchen Feldern in Deutschland die dicksten Kartoffeln zu finden sind.

Bester Hesse, also ein Spieler mit Spielberechtigung in einem Verein des Hessischen Schachverbandes, war der Sieger des Heusenstamm Sparkassen Open von 2015, IM Daniel Sadzikowski vom SC Heusenstamm, nur 1 Punkt hinter der Spitze auf Rang 39. Fünfzig weitere Hessen waren noch im A-Open am Start.

Im B- Open mit ausgewiesenen 384 Teilnehmern waren sogar 7 Spieler am Ende punktgleich, und Leon Wu vom SK Mannheim hatte am Ende die besten Buchholtzmänner (und Frauen!) auf seiner Seite. Martin Wasserrab vom SK Gernsheim war bester Hesse auf Platz 15.

131 Teilnehmer im C- Open sahen einen Hessen vorne, und das eindeutig, ohne Buchholtz-Schnickschnack! Krister Haas vom SK Gernsheim siegte mit 8 Punkten, und dürfte mit seinem Preisgeld Carpaccio von 250 Euro aus der fast 41.000 Euro umfassenden Grundmasse trotzdem zufrieden sein.

So, und jetzt mal ein paar Zahlen:

Die Karlsruher Schachfreunde stellten mit 39 die meisten Spieler im gesamten Event, gefolgt von Baden Baden, dem Hamburger SK und…. dem SK Gernsheim.

Frauen waren 102 vertreten, was einen Anteil zwischen 5 und 10 Prozent ausmacht. Mal sehen, ob man das irgendwo als Aufschwung im Frauenschach nachlesen kann.

Von 40 Nationen waren die Niederlande (33), die Schweiz(27) und Frankreich(21) am stärksten repräsentiert, wenn man von den etwa 950 GERs in den Teilnehmerlisten absieht.

Die besten 20 GERs in der Liste waren zur Hälfte Großmeister und Internationale Meister. Diese hätten einen Schnitt von 2525 ELO gehabt und auch eine schnucklige Deutsche Meisterschaft ergeben, die dann mit GM Alexander Donchenko den virtuellen Sieger gehabt hätte. So wurde er real 22ster, was ja nun auch nicht so schlecht ist.

Nicht vergessen sollte man, dass parallel ab dem dritten Turniertag auch den Schachweltmeister Magnus Carlsen plus sieben weitere Spitzenkräfte in einem Meisterturnier in den Saal bzw auf die Bühne holte.

Der Event wies damit also neben der Masse, wo auch schon Qualität vorhanden war, noch ein Sahnehäubchen auf.

Draußen, vor der Halle, ein riesiger Stand mit dem wahrscheinlich kompletten Angebot eines, wohl eher des größten Schachversandes.

Was noch auffällt waren die Tapeten mit Paarungslisten, Tabellen usw, also was man eben so haben muss, wenn nichts elektronisch angezeigt wird. Das sich das Papier nicht von selbst updatet ist leider auch klar, also mal wieder ein Plus für die mit Smartphone und Flatrate.

Geht man also mal davon aus, dass diese Veranstaltung sowohl im Bereich der Masse, als auch der Klasse eine Weltspitze darstellt, fehlte die Präsenz des Deutschen Schachbundes, einer Europäischen Schachunion, oder auch der FIDE. Kein Messestand, oder ähnliches, keine Werbemaßnahmen waren erkennbar.

Um auf über 1.000 Teilnehmer zu kommen war ein Anlauf von 20 Jahren notwendig. 1997 startete man in Deizisau mit 158 Teilnehmern in einem einzigen Open, wuchs nur unwesentlich in 1998 (175 Teilnehmer), entschloss sich aber dann schon 1999 zur Dreiteilung; und erreichte 212 Teilnehmer.

Veranstaltet wurde das über Ostern, und wegen der geringen Größe nahm deutschlandweit eigentlich so ziemlich keiner richtig Notiz. Die Osterzeit war die Domäne für Landesmeisterschaften. War! Heuer spielten noch parallel die Landesverbände Saarland (Heimat des DSB Präsidenten), Berlin (Sitz des DSB), Schleswig-Holstein (Heimat des Herausforderers des DSB Präsidenten) und Bremen. Der Rest hat verstanden.

2001 wurde die 400 Teilnehmermarke überschritten, 2004 bereits die 600er Grenze. Mit einem kleinen Durchhänger in 2007(578) wurde die nächste Marke 700 im Jahr 2009 erreicht und für die nächsten Jahre deutlich gehalten. Die Saalkapazität im beschaulichen Deizisau war erschöpft, eine weitere Expansion nicht möglich.

Ab 2006 wurde bereits zusätzlich im November ein Herbstopen veranstaltet, und schließlich bleibt dieses an der Gründungsstätte zurück, als man sich im letzten Jahr entschließt nach Karlsruhe auszuwandern; und auf Anhieb 960 Teilnehmer erreicht. Jetzt also 1203. Wo soll das enden?

Die Kapazität des Kongresszentrums mit seinen umliegenden aneinander liegenden Hallen lässt sicher auch 3.000 Teilnehmer zu.

Vielleicht mal etwas zum Thema Geld:

rechnet man mal grob über die Teilnehmerzahlen und den fälligen Startgeldern zusammen, so werden die Preisgelder gerade mal gedeckelt.

Nimmt man nur mal den Anteil, den sich die nicht-anwesende FIDE für die ELO Auswertung schnappen wird, dann könnte man damit den Preisfonds eines kleineren Opens in Deutschland leicht abdecken.

Es bleiben noch Kosten für Halle, Übernachtungen von mindestens 100 Spitzenspielern bzw Mitwirkenden, Aufwandsentschädigungen, und was da alles noch so an „kleinen“ Beträgen und Positionen zusammenkommt.

Das Turnier verdient sich seinen Namen: GRENKE chess open!

 

Gruß

Euer

Hans D. Post

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