Hessenschach 15/01

Jetzt schon anmelden zur Frankfurter Stadtmeisterschaft!

http://fsm.schach-chroniken.net

  • Quo vadis, Europarochade?
  • Heusenstamm im deutschen 4er Pokal weiter
  • Südamerika, Dakar, oder doch Bad Soden?
  • Chess960 Schnellschachmeisterschaft in Frankfurt
  • FSM 2015: in memoriam Dr. Otto Müller

Quo vadis, Europarochade?

Nach dem Tod des Gründers Heinz Köhler vor wenigen Wochen fragte sich der eine oder andere sicher, wie es nun weitergehen würde mit der Rochade. Und die Frage schien durchaus berechtigt, da schließlich der einzige, wirkliche Schachidealist im Familienunternehmen die Brücke für immer verlassen hat.

Die Rochade mochte man, oder eben auch nicht. Der Stil war, so die Meinung vieler, wenn man den Bogen von Kulturmagazin zu Regenbogenpresse spannt, eher am letzteren Niveau orientiert. Skurile Rubriken wie Kniffel- oder CC-Computerschach, oder die Sex-sells- Versuche u.a. mit dem Schach- Topmodel ließen da oft Zweifel an der Seriosität aufkommen.

Andererseits waren die satzungsmäßigen Schwüre einiger, wenn nicht zu Hochzeiten aller Landesverbände, die Rochade zum Verkündungsorgan zu erklären, und damit zur Pflichtlektüre zu machen, das perpetuum mobile in Form der Druckmaschinen der Herausgeber.

Aus den sechziger Jahren hervorgehend, als noch Loseblattwerke an die informationshungrigen Schächer im Rhein-Main-Gebiet verteilt wurden, haben mehrere Versuche, den gewachsenen Anspruch auch in eine Schachzeitung wie die Rochade unterzubringen, teils gefruchtet, andererseits auch nicht.

Dem Thema Internet stand man bis zuletzt eher feindlich, als zukunftsweisend gegenüber. Ein Blick auf die Webseite, selbst heute noch, und hier merkte man am deutlichsten, wo man sich von der Professionalität abgrenzte.

Der Nachfolger und bis zuletzt handelnde Chefredakteur Carsten Köhler setzte nun den Schlusspunkt und übergab die Geschäfte vollumfänglich an die Sensei Handels GmbH mit Sitz im Kernen. Wen bitte? Wo bitte?

Detective Google spuckt eine Internetseite zu „sensei“ und „kernen“ aus, die auf dem ersten Blick nichts weniger zu versprechen scheint, als den sorgenfreien Umgang mit der Krankheit Krebs und dazu passender Ernährung, aber bei genauem Hinsehen unter den dort aufgeführten Buchautoren auch den Namen Victor Bologan; dieser freilich im Zusammenhang mit Königsindisch. Jetzt wird’s aber doch interessant, oder?!

Groß angekündigt wurde der Deal nicht, aber wer darauf achtete, merkte, dass die Internetseite der Europarochade schon lange kein Update mehr erhielt, und auch das neue Rochade- Heft, 01/2015 sehr spät ausgeliefert wurde; viel weiter nach dem angekündigten Redaktionsschluss als üblich. Die Ausgabe davor lag dagegen noch länger in den Regalen der Bahnhofskioske. Bitten um Eingangsbestätigungen für an die Redaktion gehenden Ausschreibungen wurden mehr oder weniger missachtet, das war kein echter Gradmesser.

Angekündigt war es dagegen an die Vorsitzenden der Landesverbände, doch nicht alle, Brandenburg mal ausgenommen, veröffentlichten die Mitteilung recherchegerecht auf ihren Verbandsseiten.

„Ich kann mich an keine Rückfragen zum Thema aus diesem Kreis der angeschriebenen erinnern“, so in etwa der neue Herausgeber Lothar Hirneise auf Rückfrage, und spätestens jetzt wird der eine oder andere aufmerken. Richtig, die Rochade hat wieder einen Herausgeber, der sich mit dem Thema Schach auch persönlich und idealistisch identifiziert, und der neue Chefredakteur, Tobias Hirneise, ist gar Internationaler Meister mit einer ELO um 2400. Der Name Hirneise ist

Also wieder ein Familienunternehmen?

Nun, die Rochade soll deutlich kundenorientierter werden, wobei die in feine Scheiben geschnittenen, schattenspendenden Lebewesen nun nicht mehr für veraltete Ergebnislisten verwendet werden sollen, sondern eher „für die Facts“.

Und noch etwas neues: der Lokalteil wird auf ca 28 – 36 Seiten eingedampft, und dieser Platz allen Landesverbänden zugeordnet. Bleibt da noch Platz für die Unterverbände und Bezirke?

Analysen und Befragungen haben ergeben, dass es einfach zuviel an Informationen in der Rochade gibt, die Niemanden mehr ernsthaft interessieren. Seitenlange Ergebnisse eines Opens mit über 200 Teilnehmern berühren nur das Ego einiger weniger. Der Rest hat es längst im Internet vernommen.

Die Reaktionen der hauptsächlich betroffenen, also die Untergliederungen der Landesverbände und vor allem die Vereine, stehen noch aus.

Ausschreibungen soll es nach wie vor noch geben, ob aber seitenlange(!) Texte für eine triviale Landesmeisterschaft noch Platz finden werden, ist eher nicht zu erwarten.

Möglicherweise spielt da einer mit seinem Alleinstellungsmerkmal, dem Status des Verkündungsorgan, oder aber plant einfach sauber und zielgerecht für die Zukunft.

Lothar Hirneise ist jedenfalls überzeugt vom neuen Konzept, und erwartet für dieses Jahr einen stabilen Preis für die Rochade, und schließlich auch eine Steigerung der Auflage.

„Warten Sie den 25. Januar ab, da erscheint das neue Heft im neuen Layout! Und auch die neue Webseite wird um einiges informativer sein“, so der neue Herausgeber, und in der Tat, werde ich diesmal ohne besonderen Anlass gezielt die neue Ausgabe erwerben.

Eine positive Neuerung für diejenigen, die immer schon nicht wussten, an welchem Wochenende denn in diesem Monat zu veröffentlichende Daten abgegeben sein müssen, gibt es bereits: „Es macht Sinn den Redaktionsschluss an einen fixen Termin zu knüpfen, und wir haben uns für den 12. eines Monats festgelegt“, und das ist auch gut so!

 

Heusenstamm im deutschen 4er Pokal weiter

Nur einer der beiden hessischen Vertreter im deutschen Viererpokal hat es geschafft, die Vorrunde, also die Runde  und 2, siegreich zu überstehen und sich damit für die Zwischenrunde zu qualifizieren.

Der SC Heusenstamm, mit FM Zuyev und den IMs Solonar und Klundt sowie Simon Prudlo am Start, musste dabei tief in den Westen nach Hochneukirch und bedankte sich dann in Runde 2 beim Gastgeber mit einem Unentschieden für den weiten Anfahrtsweg, nahm aber die bessere Zweitwertung trotzdem in Anspruch. In Runde 1 gelang ein Sieg gegen die Pfälzischen Vertreter vom SK Landau.

Der SK 1858 Gießen dagegen fuhr zum Ilmenauer SV nach Thüringen, südlich von Erfurt gelegen, um sich leider gleich nach der 1.Runde wieder zu verabschieden.

Im März geht es dann in die Zwischenrunde, und auf Heusenstamm warten dann Gegner wie Porz oder Baden-Baden und dreizehn weitere Klubs.

Südamerika, Dakar, oder doch Bad Soden?

Wann immer jemand in irgendeinem sportlich geprägtem Beitrag etwas von der Rally Dakar ansetzt zu erzählen, und dann sogleich mit Etappen fortsetzt, die von Argentinien nach Chile führen, verleitet einen doch irgendwie dazu ins Tagträumen überzugleiten und mal schlappe 250 Millionen Jahre zurückzugehen, wo es zwar noch kein Südamerika und kein Afrika gab, aber immerhin einen großen Klops namens Pangäa, der die gesamte Landmasse in sich vereinigte. Wäre damals beim Außereinanderdriften Dakar mit gerutscht (also „rübergemacht in den Westen“), so wäre es heuer gar nicht erst zum Tagträumen gekommen……

Na gut, irgendwann hat man entschieden, dass im Senegal, also quasi dem Altersruhesitz von Dakar, der Rallysport doch nicht so das richtige ist, und seither findet das Ganze in Südamerika statt. Wohl bekomm’s!

Vielleicht wird in 250 Millionen Jahren auch in Bad Soden kein Chess960 mehr gespielt, aber noch haben wir im Rhein-Main-Gebiet eine zusammenhängende Landmasse und Bad Soden so ziemlich mittendrin. Und bis sich Bad Soden entschieden hat, wohin es denn gleiten will, bleibt die Chess960- Hochburg eben hier.

Seit 5 Jahren schon, also schon ein wenig Zeit vergangen, wird die Chess960 Rally in Bad Soden veranstaltet, und hat seither mit ständig steigender Beliebtheit zu kämpfen. Nicht das jetzt die Massen strömen, aber doch mehr als eine kleine Fangemeinde ist es schon, was da jahrelang den Kopf schüttelt, wenn die Startaufstellung vor jeder Runde ausgelost wird.

Nach Dr. Erik Zude, Igor Zuyev und zuletzt zweimal Sven Telljohann hat sich Michael Stockmann für dieses Jahr wohl viel vorgenommen und die ersten beiden Etappen von insgesamt zwölf schon mal für sich entschieden.

Noch bis Mitte März haben die Verfolger nun die Chance, jeweils Montagabends ihre Best-of-8 Wertung zu verbessern und dem Hessischen Schnellschach Champion den Spitzenplatz noch zu entreißen. Oder einfach mal an einem Abend auszuprobieren, wie das nun so geht mit dem Chess960, und für 7 Runden, bzw 2,5 Stunden ins Chess Tigers Trainings Center zu kommen. Und vielleicht sogar noch den Preis für den Lucky Winner einzuheimsen.

Zu den Ergebnissen……

–> http://b9chess960.schach-chroniken.net

 

Chess960 Schnellschachmeisterschaft in Frankfurt

Übrigens wird auch in Frankfurt Chess960 gespielt, und nicht nur in langen Partien, wie zuletzt von November bis Dezember, sondern auch an einem Samstagnachmittag, und das Ganze als Schnellschach- Turnier.

Zum sechsten Male bereits findet die Bezirksmeisterschaft statt, und es ist natürlich ein offenes Turnier.

Wo es ein (kleines) Startgeld gibt, gibt es natürlich auch einen Preisfonds, von Ruhm und Ehre ganz zu schweigen.

Die Ausschreibung findet sich hier:

–> http://bezirk-frankfurt.schach-chroniken.net/55960_historie.htm

 

FSM 2015: in memoriam Dr. Otto Müller

1915 war’s, da kam er in Frankfurt zur Welt, und keine 20 Jahre später schon war er Schachmeister seiner Heimatstadt geworden.

Dabei schockte er die verbliebene Frankfurter Schachelite mit seinem reifen Spiel, und gewann das Meisterturnier 1934, wo er sich von 11 weiteren Spielern distanzieren konnte. Insgesamt waren damals 156 Spieler am Start, oder mussten starten, ganz wie man will, und mehrere Jahrzehnte war diese Anzahl der Maßstab für Teilnehmerrekorde.

Otto Müller hat eine durchaus interessante Lebensgeschichte, vielleicht gerade deshalb, weil er sich nur wenig später gegen das professionelle Schach entschied.

Seinen Lebensmittelpunkt hat er nach dem 2.Weltkrieg in München gefunden, und er starb erst vor wenigen Jahren ebendort.

Für mich ist dieser Spieler ein Musterbeispiel dafür, wie vergesslich die Menschen schon damals waren, auch weil man diesen starken Spieler zwangsläufig aus den Augen verlieren musste.

Wer schon einmal nach Personen über deren Namen im Internet recherchiert hat, kann sich vorstellen, wie schwer es war, diesen Otto Müller zu finden. Nicht einmal sein Sohn, der heute an einer schönen Ecke am Genfer See lebt, wusste etwas Genaues von dieser frühen Leidenschaft seines Vaters, von der Spielstärke ganz zu schweigen.

Das Gesamtpaket zur Person, immerhin wäre Dr. Otto Müller in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden, ließ mich die Entscheidung treffen, ihm zu Ehren und Gedenken die Frankfurter Stadtmeisterschaft 2015 „in memoriam“ auszuschreiben. In der Hoffnung, dass es wenigstens für die nächsten 100 Jahre leichter sein sollte, an diesen starken Frankfurter Jüngling zurückzudenken.

Übrigens: die Anmeldung zur Frankfurter Stadtmeisterschaft ist natürlich jetzt auch schon möglich. Zur durchaus möglichen Unsterblichkeit geht’s hier lang:

–> http://fsm.schach-chroniken.net

 

Alles Gute im neuen Jahr!

Gruß

Euer

Hans D. Post