SG Turm 1948/69 Idstein e.V.

Hessenschach 14/18

  • Super-GM Chao Li gewinnt Heusenstammer Open
  • Frankfurter Stadtmeisterschaft Chess960
  • Hessische Mannschaftswettkämpfe, Runde 3
  • Tierquälerei für den Goldenen Springer

 

Super-GM Chao Li gewinnt Heusenstammer Open

Ein ganz klein wenig erleichtert ist man schon, wenn man an einem Bahnhof steht, wartet, und tatsächlich der Gast auch eintrifft.

Unscheinbar wirkt der 2722-ELO-Koloss auf dem Bahnsteig, und keiner der um ihn herumschwirrenden Fahrgäste bemerkt, was für eine Seltenheit der Spezies Mensch da umher blickt. Er wirkt recht propper, ist ansonsten aber kein Riese. Ein Panda eben, so wie sein Nickname aus dem Mailverkehr schon vermuten lassen könnte. Und ein durchaus sympathischer obendrein!

Kurze Begrüßung, eine erste Unterhaltung, was vorher nur in ein paar Mails gelang. Die Bitte um kurze Besichtigung der Halle nebst Umgebung wird gerne gewährt, dann geht es noch mal ab ins Hotel. Super GM Chao Li nimmt das Heusenstammer Schloss-Open ernst, schließlich hat er in einer ersten Kontaktaufnahme zugesichert, dass er auch nur ein Mensch sei und Fehler machen könne. Mit anderen Worten, der Turniersieg ist nicht zwangsläufig sicher für ihn.

Zuvor hatte er das Herbstopen in Deizisau gewonnen, mit 7 aus 7, und in der Bundesliga für Schwäbisch Hall 3,5 aus 4 gemacht. Die 29 der Weltrangliste zeigt, was an geballter Schachenergie in ihm steckt.

Nun gut, Dezisau hatte keinen hohen Gegnerschnitt in der Spitze und in der Bundesliga ist Li „nur“ an Brett 4 gesetzt.

In Heusenstamm, das weiß er und andere, die die Turnier- Webseite in den letzten Wochen und Monaten frequentierten, warteten immerhin acht weitere Großmeister auf den Beginn des ersten Internationalen Opens im beschaulichen Heusenstamm.

Nimmt man die ersten zehn der Startrangliste ohne Chao Li, so ergibt sich ein ELO Schnitt von knapp 2500, mit dem Super-GM wächst dieser noch um weitere stattliche 30 Punkte an.

9 Nationen sind unter dieser Creme des Turniers zu finden. Ein großer Starterfolg für den Schachclub Heusenstamm, der auch bei der internationalen Schachberichterstattung seinen Niederschlag findet. Zwischen Quatar Masters, WM in Sotschi und Russian Super Final findet sich der Oberliga- Klub bei chessdom.com gut aufgehoben und präsentiert.

Drei Monate vor dem Turnierstart wusste noch niemand irgendwo auf der Welt von diesem Turnier, und der gewählte Novembertermin war der einzige, der sich als halbwegs vernünftig ergab. Dabei wurden die Deutschen Einzelmeisterschaften in Verden und die Deutsche Amateurmeisterschaft in Magdeburg als Parallelveranstaltung akzeptiert.

Das trotzdem über 100 Spieler, genauer gesagt 134, den Weg in die Kultur- und Sporthalle am Martinsee aufnahmen, ist erstaunlich und für die Veranstalter erfreulich. Der Preisfonds brachte dann eben auch die Spitze und damit die Schärfe ins Turnier. Es wurde gekämpft!

In den ersten beiden Runden war für die Titelträger noch freies Schaulaufen angesagt, und Siege Pflicht. Prominente Ausnahme war GM Misa Pap, dem gleich in der ersten Runde ein Versehen passierte, er sich dann aber doch ins Remis retten konnte.

Ab Runde 3 trafen die GMs auf die ersten Internationalen und FIDE- Meister, ab Runde 4 waren die Großmeister oft mit den eigenen Kollegen beschäftigt.

Chao Li punktete sich voll durch die ersten 4 Runden durch, und bekam dann mit GM Vladislav Borovikov den ersten schwereren Brocken vorgesetzt. Allen Gewinnversuchen zum Trotz erreichte der Ukrainer mit Schwarz eine Dauerschachstellung.

In Runde 6 wurde der junge polnische und für Heusenstamm startende IM Daniel Sadzikowski an die vorderen Bretter gespült, und landete sogleich an Tisch 1. Lange konnte er sich wehren, doch sind über 200 Punkte ELO Differenz eine schwere Bürde.

In der Schlussrunde wartete GM Igor Rausis (CZE) noch auf Li, der aber relativ sicher den halben Punkt festhielt.

Da die Konkurrenz an den Folgebrettern schon früh ins Remis entkam, stand der Sieg des Super-GM fest.

Relativ lange wurde noch an zwei Brettern, 5 und 8, alles ausgekämpft, doch dann war auch das geschafft.

Hinter GM Li hatte sich nun eine lange Schlange von punktgleichen Spielern gebildet, darunter auch als erste Nicht-GM die beiden Heusenstammer FM Igor Zuyev und IM Stefan Solonar. Schon fast sensationell der 9. Platz von FM Hans-Jörg Cordes von der VSG Offenbach, der lediglich 2243 ELO auf dem Konto hat. Und erst recht eine schöne Turnierleistung von Robert Baskin, der als erster titelloser Spieler auf Platz 11 durchs Ziel ging, und den Jugendpreis U18 gewann.

Bester Senior war IM Klaus Klundt vom SC Heusenstamm, beste Frau Annelen Carow von den Sfr.Heidesheim.

Die Turnier- Webseite litt etwas unter den schlechten Verbindungsmöglichkeiten in der Halle, und auch die Live- Übertragung der ersten 8 Bretter litt mitunter etwas darunter. Aber alles lagen die Informationen zu den einzelnen Runden nach dem jeweiligen Abschluss recht früh vor.

Momentan sind sogar schon über die Hälfte der gespielten Partien nachspielbar, und eine größere Menge an Fotos steht auch schon bereit.

Eine zweite Auflage für das kommende Jahr wurde bereits angekündigt, und erklärtes Ziel ist es, die Halle voller zu bekommen. Es wäre schön, wenn sich ein weiteres Open in Hessen somit etablieren könnte!

–> http://heusenstammer-schloss-open.de

 

Frankfurter Stadtmeisterschaft Chess960

Bei der Frankfurter Stadtmeisterschaft im Chess960 führt nach 4 Runden FM Igor Zuyev ohne jeglichen Verlustpunkt die Tabelle an. Was bei dem ersten Frankfurter Meister dieser Kategorie noch keine Überraschung ist.

Erstaunlich dagegen, das IM Sven Telljohann, eigentlich ein sehr sicherer Chess960 Spieler, schon zwei Verlustpartien verkraften musste, und das jeweils mit den weißen Steinen.

In der Spitzenpaarung am kommenden Montag trifft Zuyev auf den Youth Classic Sieger Samuel Weber, während an Brett 2 in der Partie zwischen Hristowski und FM Stockmann der wahrscheinlich nächste Gegner von Zuyev ermittelt wird.

–> http://fcs.schach-chroniken.net

 

Hessische Mannschaftswettkämpfe, Runde 3

HESSENLIGA

Gelnhausen und König Nied führen punkt- und wertungsgleich die Tabelle der Hessenliga an, und der Frankfurter TV ist nur wenig schlechter platziert.

Dotzheim kann noch Anschluss halten, während Griesheim 2 schon leicht ins Mittelfeld verschwunden ist.

Bad Homburg, Bad Nauheim und Fulda haben mit jeweils zwei Mannschaftspunkten noch zu wenig zu bieten, um sich von den Abstiegsplätzen sicher entfernen zu können.

Das ist wiederum die Hoffnung für Dettingen und Offenbach, die das Tabellenende mit jeweils einem Punkt zieren.

VERBANDSLIGEN

Gießen und Eppstein bleiben weiter alleine in der Nordgruppe vorne, und auch die Brettpunkte können die beiden nicht trennen. Kassel hat im direkten Duell in der kommenden Runde die Chance die Vormacht der beiden zu brechen.

Idstein und Steinbach bilden den Abschluss der Tabelle, der vom Abstieg bedroht ist.

Schachforum Darmstadt sieht wieder bessere Zeiten und könnte vor de Aufstieg in die Hessenliga stehen. Hofheim 2 hält noch mit, doch was wenn im Saisonverlauf noch was in die Erste hochmuß?

Drei Mannschaften bilden ohne jeglichen Punktgewinn und schon mit Abstand das Tabellenende: BvK Frankfurt, Roßdorf und Wiesbaden 85.

LANDESKLASSEN

Vellmar führt in er Nordgruppe der Landesklassen, vor Fulda 2. Im Westen bestimmen Dotzheim 2 und die Schachjugend Herborn das Bild an der Spitze, während im Osten Bad Vilbel alleine an der Spitze auch sehr zufrieden ist. Die Bergstraße dominiert mit Lorsch und Mörlenbach 2 die Klasse im Süden.

–> http://hessische.schach-chroniken.net/hsv/20142015/mk/50mk.htm

 

Tierquälerei für den Goldenen Springer

Das einst traditionsreiche Pokalturnier des Hessischen Schachverbandes, der Goldene Springer, hat nicht einmal mehr eine Blattgoldauflage vorzuweisen.

Vor gut einem halben Jahr knapp dem Gnadentod durch den Vorstand des Verbandes entronnen, wurde der Modus so gewählt, dass nicht einmal der gewählte und zuständige Turnierleiter dieses Turnier durchführen will.

So wird dann in typischer, lustloser Manier ein Turnier ausgeschrieben, dass eigentlich ein Qualifikationsturnier für einen nationalen Wettbewerb darstellt.

Das man erst ein halbes Jahr nach dem Gnadenerlass überhaupt auf die Idee kommt, auch mal andere darüber zu informieren, ist da schon bezeichnend.

So sind wir schon so gut wie im Dezember angekommen, Winterferien und Urlaub vor der Tür, und noch im Januar müssen die Bezirke einen Qualifikanten ermittelt haben, um diesen rechtzeitig dem Verband mitteilen zu können.

Zugegeben, aus eigener und langjähriger Erfahrung weiß ich, dass es schwer war auf Hessen verteilt mehr als drei Standorte für die ersten Runden des Pokalturniers zu finden. Ist es daher aber einfacher, jetzt auf 10 Standorte zu setzen? Welche Qualität erwartet man eigentlich am Ende?

Kann man ein Turnier noch weniger attraktiv ausrichten? Na, da geht doch immer noch was:

Nur 10 Spieler sind letztlich sportlich qualifiziert, gesetzt bzw vorgeschlagen wird zum Beispiel auch ein Seniorenspieler. Was ist es da nur für eine tolle Idee, parallel zum Hessischen Pokalturnier auch die Hessische Seniorenmeisterschaft im Schnellschach auszutragen?

HSV Satzung § 1, Absatz 3: Zweck des Verbandes ist die Pflege und Förderung des Schachspieles…. Der Tierschutz ist seit 2002 im Grundgesetz der Bundesrepublik angekommen, der Goldene Springer hat offensichtlich in Hessen keine Chance mehr auf ein t(urn)ierwürdiges Leben.

Gruß

Euer

Hans D. Post